© 2012 FLORIAN FOSSEL

DER MITTWOCHS SALON
Gruppen-Psychoanalyse und Gesellschaft

Zuletzt: 15. November, 20:00, Café Korb, Artlounge, 1010 Wien, Brandstätte 9

HÖREN MIT DEM DRITTEN OHR
Zur tiefenhermeneutischen Kulturanalyse und ethnopsychoanalytischen Deutungswerkstatt.

„Hören mit dem dritten Ohr“ – der Ausdruck stammt von Friedrich Nietzsche – bedeutet zu hören, was Worte nicht sagen. Der Psychoanalytiker hört nicht nur „was der Patient spricht, sondern auch (. . .), was aus seinen eigenen unbewussten Tiefen auftaucht. (. . .) In der Psychoanalyse sind nicht die Worte das Wichtigste. Es erscheint uns wichtiger, zu erkennen, was das Sprechen verbirgt und was das Schweigen offenbart.“ (Theodor Reik)

„Die Psychoanalyse hat uns nämlich gelehrt, daß jeder Mensch in seiner unbewußten Geistestätigkeit einen Apparat besitzt, der ihm gestattet, die Reaktionen anderer Menschen zu deuten, das heißt die Entstellungen wieder rückgängig zu machen, welche der andere an dem Ausdruck seiner Gefühlsregungen vorgenommen hat.“

In diesem Zitat Sigmund Freuds aus „Totem und Tabu“ zeigt sich bereits die intersubjektive Dimension, die auch im ethnopsychoanalytischem Forschungsprozess im Zentrum der Analyse steht und von Forschern wie George Devereux, Mario Erdheim, Fritz Morgenthaler, Maya Nadig, Paul Parin und Goldy Parin-Matthèy weiterentwickelt wurden. Einen ähnlichen Ansatz finden wir auch in Alfred Lorenzers „Szenischen Verstehen“, wenn er davon spricht den latenten Sinngehalt von Texten sichtbar machen zu wollen. Mit welchen Gefühlen, Phantasien, Gedanken und Handlungsimpulsen reagieren wir auf einen Text? Welche szenische Gestalt lässt sich dabei erkennen?

Lassen Sie uns gemeinsam Alfred Lorenzers Aufforderung folgen und „Spielen wir mit dem Material“, dass an diesem Abend eingebracht werden wird!

Unsere Gäste am Podium sind diesmal:

Dr. Regina Klein, Sozialpädagogin und Erziehungswissenschaftlerin, Professorin für Gesundheits- und Kultursoziologie an der FH Kärnten, Tiefenhermeneutikerin. Weiterbildung in analytischer Gruppenpsychotherapie (IAG), analytisch orientierter Familienberatung u. -therapie (DAA), akademischer Schreibberatung u. -coaching.
Aktuelle Arbeitsschwerpunkte: (tiefenhermeneutische) Kultur-, Biographie- und Transformationsforschung; Frühe Hilfen, Diversity + Cultural Studies im Fachhochschulkontext; in freier Praxis: gruppenanalytisch-tiefenhermeneutische Schreib-, Forschungs- und Kulturwerkstätten. Lebt und arbeitet in Klagenfurt.

Veröffentlichungen zur Bedeutung von Tiefenhermeneutik / Kultursoziologie (Auswahl):
„Kulturtheorien“. In: Handbuch Sozialpädagogik und Soziale Arbeit.
„Tiefenhermeneutik – eine reflexive Kritik der Macht“. In: Perspektiven kritischer Psychologie und qualitativer Forschung.
„Was mich bewegt und doch zusammenhält. Biografische Notizen zum postmodernen Körper-Selbst“. In: Biografie und Lebenswelt – Perspektiven einer kritischen Sozialen Arbeit.
Klein, R., Dungs, S.: (Hrsg.): Standardisierung der Bildung zwischen Subjekt und Kultur.

Jochen Bonz, Kulturwissenschaftler, Germanist, Gruppenanalytiker in Ausbildung (SGAZ).
Promotion mit einer ethnographisch-lacanistischen Studie über Kultur, die sich in den 1990er-Jahren rund um die Techno Musik entwickelte. Habilitation mit einer kulturtheoretischen ausgerichteten Popkulturstudie.
Langjähriger Assistent am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck, zur Zeit wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Theater, Medien und Populäre Kultur. Seit 2010 Leitung ethnographischer Supervisionsgruppen, u.a. am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Karl-Franzens-Universität Graz.

Ethnografische und kulturtheoretische Veröffentlichungen (Auswahl):
Bonz, J., Eisch-Angus, K., Hamm, M., Sülzle, A. (Hg.): Ethnografie und Deutung. Gruppensupervision als Methode reflexiven Forschens.
„Zur Interpretation von Emotionen in der ethnografischen Fankulturforschung“. In: Emotionen im Spiel. Beiträge zu einer Ethnologie des Sports.
„Ver-wicklungen und Ent-wicklungen. Anmerkungen zur Produktivität von Irritationen und Kränkungen im ethnographischen Forschungsprozess“. In: Old School – New School? Zur Frage der Optimierung ethnographischer Datengenerierung.
„Acid House als Grenze des praxeologischen Kulturverständnisses. Zum Realismus der sensuellen Ethnografie“. In: Ethnographien der Sinne. Wahrnehmung und Methode in empirisch- kulturwissenschaftlichen Forschungen.

Moderation: Florian Fossel, Mitglied der Fachsektionsleitung Gruppenpsychoanalyse im ÖAGG.

Der Mittwochs Salon ist ein Ort der Begegnung und des Austauschs zu gesellschaftsrelevanten Themen, Veränderungen, Konflikten und Herausforderungen im menschlichen Zusammenleben. Geladen werden GruppenpsychoanalytikerInnen, PsychoanalytikerInnen, VertreterInnen verschiedener Geistes-, Sozial- und Kulturwissenschaften, KünstlerInnen und Kulturschaffende.

Bisherige Veranstaltungen:

Gruppen-Psychoanalyse und Gesellschaft Gäste: Helmut Dahmer, Johannes Ranefeld

Ost in Translation Gäste: Cathrin Kahlweit, Jurko Prochasko

Identität Gäste: Felix de Mendelssohn, Andreas Obrecht

Gruppen-Psychoanalyse und Literatur Gäste: Robert Menasse, Wolfgang Martin Roth

Der filmische und der analytische Blick Gäste: Beate Hofstadler, Walter Größbauer

Müssen wir uns selber neu erfinden? Gäste: Reneé Schroeder, Jeanne Wolff-Bernstein

"Lassen wir unser Geld arbeiten!" - und die große Krise Gäste: August Ruhs, Stephan Schulmeister

Utopia – Gesellschaftliche Utopien heute Gäste: Felix de Mendelssohn, Johannes Schmidl

Migration Gäste: Barbara Coudenhove-Kalergi, Rainer Danzinger, Ernst Löschner

Warum Liebe weh tut – heute Gäste: Esther Hutfless, Dieter Sandner

Kreativität Gäste: Oliver Kartak, August Ruhs

Das Unbewusste in Organisationen Gäste: Günter Dietrich, Peter Ettl

Zwischenraum Garten Gäste: Rainer Danzinger, Bernd Hochwartner

Der Klang und das Unbewusste Gäste: Helmut Figdor, Bruno Liberda

WERKBLATT. Zeitschrift für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik Gäste: Helmut Dahmer, Karl Fallend

Organisatoren: Florian Fossel und Franz Schubert

Der Mittwochs Salon ist eine Kooperation der ÖAGG Fachsektion Gruppenpsychoanalyse und des Café Korb.

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